Nacht. Schicht.
Große Fenster im postmodernen Industrielook. Regenperlen auf den Scheiben. Dahinter, im Dunkeln, blinkt der Fernsehturm, den niemand in dieser Stadt jemals wirklich “Telespargel” genannt hat. Nachtschicht im Tech Support. Die Systeme laufen summend; wenn nicht, summt sofort das Telefon.
Vor vier Jahren leistete K. solche Nachtschichten noch im Journalismus. Wenn das Telefon summte, legte K. quasi schon die Krawatte um, um in einer halben oder einer ganzen Stunde vor die Kamera zu treten. Vier Jahre später arbeiten K.s Kollegen mit den neuen Systemen, die er mitentwickelt hat, haben neue workflows gelernt und (mehr oder weniger) akzeptiert, haben noch die eine oder andere Frage, und manchmal zickt ein System auch noch, benimmt sich unvorhergesehen, kommt vielleicht sogar zum Stillstand. Und dann summt das Telefon.
K. denkt über die Jahre nach, die er ganz vorne verbracht hatte, immer am Mikrophon, neben oder sogar vor der Kamera. Jetzt machen andere diese Arbeit, und er läuft im Hintergrund durchs Halbdunkel eines nächtlichen newsroom, erkennbar am orangefarbenen T-Shirt, das seine Kollegen und er in diesen kritischen Tagen, an denen alles noch so neu ist, tragen, um sofort erkannt und gefunden zu werden. Journalismus aus der zweiten Reihe. Die im Dunkeln sieht man nicht – für das Funktionieren einer großen Redaktion sind sie dennoch unabdingbar.
Schön, sich so anders wichtig vorzukommen. Eine gute Nacht. Schicht.
