Aktionismus kommt von Aktion
Der Münchner Medizinstudent kommt zurück. Ich frage ihn, ob es ihm gefallen habe. Ja, doch, sehr schön. Wieso er diese Bilder schön finde, frage ich. Ob er auch gelegentlich solche Phantasien habe. Er lächelt verlegen, denkt nach und meint geschmeichelt, doch, ja, aber er traue sich nicht, sie auszuleben. Das Lächeln gefriert, als er überlegt, ob er sich angesichts solcher Fragen eigentlich geschmeichelt fühlen soll. Immerhin scheine ich ihm grundsätzlich etwas zuzutrauen. Er lächelt doch wieder. Was machen die Aktionisten? Der Medizinstudent nimmt an, dass Aktionismus von Aktion kommt, also von Handeln. Oder? Ich bestätige das, und er lächelt zufrieden, weil er es auf Anhieb gewusst hat. Die Theologiestudentin aus Münster findet die Bilder auch schön, nein, eher doch gut, nicht schön, aber trotz des inhaltlichen Chaos doch irgendwie harmonisch, so von den Farben und der Aufteilung her. Mein Einwand, dass es hier um Grenzerfahrungen gehe und nicht um Harmonie, wird zögernd aber dankbar aufgenommen und ebenfalls bestätigt. Jedenfalls sei es interessant, wenngleich auch echt hart, krass, so inhaltlich, also echt. Dann geht es um Einwohnerzahlen von München und Münster und unsichtbares soziales Elend. Dazu trinkt man noch einen Latte macchiato.
