Der Zauber des letzten Sommers
Der innere Countdown zum Beginn des Jahresurlaubs läuft. Als professional, also als Berufstätiger, der sich einbildet, zu wissen, was er tut, verheimlicht man solch schülerhaftes Verhalten ja gerne, auch vor sich selbst; dennoch zählt der selbe professional die Tage und schließlich die Stunden bis zu dem Moment, der auch mehr als dreißig Jahre nach dem Abitur noch magisch ist: der Moment, in dem man durch die Tür tritt mit dem Wissen, für die nächsten Wochen nicht zurückzumüssen.
Die sachlichen Gedanken im Hirn (Organisation von Schulungsmaßnahmen, Inventur, Software-Test, die nächste Dienstreise etc.) werden zunehmend verdrängt von dem vorgestellten Gefühl von seidiger Sommerabendluft, dem vorgestellten Rauschen von Segelbooten im Küstenwind, der vorgestellten und fast schon wieder körperlich spürbaren Ruhe eines verzauberten Ortes. Sogar der Erholungseffekt vom letzten Sommer stellt sich – nur aufgrund der Erinnerung – zaghaft wieder ein.
Und man verdrängt kleine, angstvolle Gedanken: Was, wenn das Wetter diesmal nicht so picture perfect ist wie beim letzten Mal? Was, wenn der Charme des kleinen Häuschens mit nahegelegenem Plumpsklo doch nachgelassen hat? Was, wenn die unendliche Ruhe des verzauberten Ortes beim zweiten Mal ein wenig Ungeduld hervorruft (”wann passiert denn hier endlich was?”)?
Nein, solche Gedanken verdrängen wir. Und freuen uns fast schon kindlich auf den Urlaub. Was bleibt uns auch anderes übrig?
