Beiträge vom November, 2007

Nasskaltdunkelschön

Konstantin Klein am Samstag, 3. November 2007, 23:01

Der gelebte Gruselroman, erstaunlicherweise nicht gruselig: ein Spaziergang im Bruchwald irgendwo im Brandenburgischen. Ein Bruchwald – so lehrt uns die aufgestellte Tafel einer naturkundebewussten Behörde – ist vor allem feucht, meist von unten (Grundwassernähe!), heute auch von oben (Regen!), und geht nahezu übergangslos vom aufgeräumten märkischen Kiefernwald in eine unaufgeräumte Sumpflandschaft mit vielen toten und vielen lebenden Bäumen über. Der städtische Besucher wankt konzentriert über modrige Bohlengänge, die die Naturschutzbehörde durch den Bruchwald legt, um nasse Städterfüße zu vermeiden. Währenddessen senkt sich die Dämmerung schon kurz nach Mittag über die Landschaft.

Im vorliegenden Fall zeichnet sich der Bruchwald auch durch die eher zufällige Auszeichnung von Wanderwegen aus, was zu neckischen Tänzen rund um piekendes Reisig und peitschende Zweige führt. Dann die gemurmelte Ahnung “Ich glaube, wir laufen im Kreis”, die zunächst entschieden zurückgewiesen, dann aber von einem vage bekannten Gartenzaun eines Einheimischen bestätigt wird. Und Trampelpfade, die im Nichts enden, vor Wasserlöchern, an Ufern oder einfach sinnlos durch den Wald gezogenen Zäune. Wer, bitte, trampelt solche Pfade, und warum sehen diese Pfade nie so aus, als ob seit Jahrhunderten Trampelnde fluchend zurückgetrampelt sind, weil (s.o.) die Pfade im Nichts enden.

Und der Regen, hach, der Regen! Durch die Mütze, durch das Kopftuch, durch die ehemalige Haarpracht bis auf die Kopfhaut. Und trotzdem will sich irgendwie keine schlechte Laune einstellen.

Die Ausflugsgaststätte mit heißem Kaffee, warmem Apfelstrudel und knisterndem Kaminfeuer wird aber doch immer wieder gerne genommen in solchen Zusammenhängen.

Thema: ...aber wahr | Kommentare (0)