In Mitte die Schweiz
Es gibt Freunde, die man vorzugsweise nachmittags trifft. Im Café. Das hat Vorteile, unter anderem den, dass man sich immer wieder ein neues Café aussuchen kann, vorausgesetzt, man lebt in einer großen Stadt. Mit der Wahl neuer Orte begegnet man auf elegante Weise der Gefahr, man könnte sich nichts mehr zu sagen haben. Man kann dann auch erst mal eine ganze Weile über den Ort und seine Eigenschaften reden.
Der alte Freund sprach diesmal von einem Terrassencafé am Weinbergsweg. Das allein klang verlockend nach Süden, Sonne und Leichtigkeit. Warum ich es bisher übersehen hatte, das Terrassencafé, wurde mir schnell klar, als ich mich entschlossen näherte. Das Vordach über der Terrasse hat einen sozialistischen Restschwung auf zierlichen Stelzen. Die immer wieder beeindruckend kühle, seltsam unvollendete Eleganz aus den besten Jahren jenes verlorenen Paradieses lässt einen kurz erschauern. Dann jedoch entdeckt man eine Reihe von Liegestühlen in freundlichen Farben, in denen relativ unüberheblich gelassene Menschen liegen, eingehüllt in graue Decken. Ja. Es sind Schweizer Armeedecken. Da ist das weiße Kreuz auf rotem Grund. Man braucht das nur zu sehen und schon atmet man in eine solide Beruhigung hinein, in etwas von Bestand und Erde, und es wird verlässlich warm unter dem Betondach sozialistischer Prägung.
Dass solche Bodenständigkeit eine im Schweizer Dialekt gehaltene Speisekarte und sehr solide Preise hat, nimmt man doch lächelnd in Kauf. Schließlich isst man in Mitte.

Donnerstag, 1. Mai 2008 20:16
Liebe Heike,
daß Du das NOLA im Schweinbergspark noch nicht entdeckt
hast, hängt auch damit zusammen, dass Du mit uns nie ausgehst, weil Du bei uns daheim ja gut genug bekocht und becatert wirst – sonst wären wir längst mal ums Haus gezogen; denn wesentlich weiter als “ums Haus” ist der Laden ja nicht für uns.
Schön geschrieben übrigens! Macht einfach Spaß zu lesen!
Liebe Grüße,
K.