Beiträge vom September, 2008

Hauptsache, was Deftiges

Heike Julia Klein am Montag, 1. September 2008, 1:15

Kaum etwas habe ich bisher so gefürchtet, wie den Urlaub im eigenen Land. Wenn man in die Jahre kommt, macht man es eben doch, weil man es für eine stressarme Angelegenheit hält. Und weil es da einen früher unbekannten Naturstrand gibt, was etwas heißen will. Und weil einem der August im Süden inzwischen zu heiß ist. Weil die Reisekosten gering sind. Und weil man gleich da ist.

Wenn man ankommt, genügt ein kurzer Blick auf die Autonummern, um zu sehen, was da los ist. Ein einziges ausländisches Kennzeichen stammt aus einem Land, das dem eigenen vermutlich sehr ähnlich ist. Wozu kommen die denn hierher, fragt man sich im Stillen, dort sieht es doch genau so aus wie bei uns. Oder vielleicht sogar besser. Aber es ist beruhigend, dass auch Ausländer den Weg hierher finden. Es wertet den Ort doch gleich auf. Als erstes begegnen einem Verbots- und Aufforderungsschilder mit der Begrüßung “Werte Gäste”, die nicht nur wie aus einer anderen Welt klingt. Der textilfreie Bereich um die Sauna herum, etwa 6 Quadratmeter groß, darf nur mit einem “sichtbar getragenen roten Armband” betreten werden. “Wie könnte man ihn mit einem unsichtbar getragenen roten Armband betreten”, frage ich mich immer wieder. Die Ausstattung ist maritim gehalten, in blau und weiß, mit schmeichelnden goldenen Seepferdchen für das urlaubsreife Gemüt, das doch ein wenig Luxus ahnen möchte. Im nächstgelegenen Lokal gibt es die “wohl besten Waffeln aus Meck-Pomm”. Wir haben sie nicht probiert, ohne zu wissen, warum. Die Eisdiele heißt “San Marco”, und falls sie keine Kapazitäten mehr hat, gibt es gegenüber Mövenpickeis, auch sehr brauchbar. Überall gibt es Fischbrötchen und Schollen und Hering mit Bratkartoffeln, aber auch Erbsensuppe und Currywurst. Die Alternative schlechthin: “Hähnchenstation”, Gott sei Dank. Aber wir wollten ja diesmal nichts Exotisches. Der Edeka ist am Montagmorgen rappelvoll. Es gibt auch noch den Markant-Markt, lieblos, aber preiswert. Eine Pizzeria namens “San Remo”, deren strahlende Mitarbeiter allen Kindern sofort goldene Folienpalmwedelchen überreichen und so begeistert tun, dass einem schwindlig wird.

Am Strand fast ausschließlich Familien mit Kleinkindern. Sächsisch, schwäbisch, thüringisch, das reicht ja dann auch. Im kalten Wasser fast nur Kinder, die das eben noch aushalten.

Der Blick aufs Wasser, die Wellen, doch, es ist schon schön.

Man weiß nicht, woran es liegt, dass hier trotz des manchmal sehr schönen Lichtes keine Träume entstehen. Vielleicht, weil man gehört hat, wie sich ein Sachse und ein Schwabe um den letzten Parkplatz stritten. “Hau doch ab, du Arschloch”. “Ich ruf die Polizei”. “Mach doch, du Arsch”.”Mach ich auch, du Dreckskerl”.

Und so weiter. Deutsche unter sich. Abends Bier und was Deftiges.

Auch im Urlaub. Hauptsache deftig.

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