North by Northwest
Konstantin Klein am Mittwoch, 12. August 2009, 21:05
Der Diesel brummelt gelassen. Nicht zu fassen, wie sanft Spreewasser am Bootsrumpf entlang rauschen kann. Nicht zu fassen auch, wie gelassen Berliner miteinander umgehen können, sobald sie nicht mit der S-Bahn oder dem eigenen Auto unterwegs sind, sondern mit dem Boot. Dabei herrscht durchaus wochenendgerechter Verkehr; die Schleusen sind voll, und bei der Ausflugsgaststätte mit dem unwahrscheinlichen Namen “Neu-Helgoland” ist zwischendurch zwar vielleicht noch ein Tisch frei, aber kein Anlegeplatz.
Dann wieder Leinen los, und ruhig nimmt Susanna Kurs flussaufwärts, in friedlichere Gewässer. Anker raus in Ufernähe, Badeleiter über die Bordwand, fertig ist die private Badeinsel. Die nächste Gruppe, das nächste Boot liegt mehr als 100 Meter weiter, und neidvoll gucken übergewichtige Brandenburger vom Ufer herüber.
Ab und zu verbrennt ein Irrer überflüssig Treibstoff und schlägt Wellen. Dann wieder Ruhe. Und langsam, ganz langsam nimmt die Haut ein knuspriges Braun an.
Was Berlin-Touristen selten mitbekommen: Berlin liegt am und auf dem Wasser. Und manchmal kommt man sich gar nicht wie in der Hauptstadt (oder seiner Nachbarschaft) vor, sondern an einem verzauberten Ort in einem verzauberten Land.
Aber übernachten kann man wieder zuhause.
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