Beiträge vom Januar, 2010

Promi-Kult

Konstantin Klein am Donnerstag, 21. Januar 2010, 13:18

(Hinweis: Schon im letzten Jahrtausend, lange vor der Erfindung des Selbstbeschreibungs-Internets, ist der eine oder andere böse Text entstanden…)

Beginnen wir mit Wissenswertem über Mitmenschen. Boris Becker wandert nach Amerika aus. Und Alfred Biolek mag lieber Männer. Und Fritz Egner hat offensichtlich zuviel Geld, das er vor dem Euro nach Übersee retten muß. Und Joschka Fischer ist nicht Vater des Kindes, mit dem seine Noch-Ehefrau derzeit schwanger geht. Und Jürgen W. Möllemann möchte gerne Kanzler werden, weiß aber nicht, wie. Und Arnold Schwarzenegger ißt am liebsten Apfelstrudel nach dem Rezept seiner Mutter. Und Thomas Gottschalk… und Hella von Sinnen… und irgendwo auch noch Rudi Carell… und zwischendurch mal Sabine Christiansen, für die Intellektuellen… und dann wieder Eduard Zimmermann, für alle… und die Back Street Boys… und Luciano Pavarotti, der ja fast schon Verehrung für zwei verbraucht… und Harald Juhnke… ja, vor allem Harald Juhnke.

Diese Mitmenschen haben eines gemeinsam: es sind Prominente. Das Wort klingt so, als ob es aus dem Lateinischen käme. Kommt es auch – es bedeutet laut Duden „hervorragend, bedeutend, maßgebend“. Wir sprechen trotzdem von Prominenten.

Prominent wird man durch die unterschiedlichsten Leistungen. Wer besser Tennis spielt als andere, wird prominent. Wer schneller Auto fährt als andere und dabei auch noch das längste Kinn von allen hat, wird prominent. Wer vor größerem Publikum fehlerfrei Witze erzählen kann, wird prominent – und es spielt dabei keine Rolle, ob er oder sie auch noch singen kann. Wer sich viel Text merken kann, wird durch seine Bühnenerfolge prominent. Wer sich nicht viel Text merken kann, geht zum Film.  Und wer auch nicht wirklich überzeugend andere darstellen kann, findet sein persönliches Prominententum immer noch zuverlässig in einer Seifenoper im Privatfernsehen.

Das hat Folgen.

Erstens müssen sich Nicht-Prominente immer mehr Namen merken, wollen sie auf dem Laufenden bleiben.

Zweitens muß jeder Nicht-Prominente gegenüber anderen Nicht-Prominenten oder möglicherweise auch sich selbst seine Entscheidung verteidigen, gerade für diesen Prominenten zu schwärmen – und einen anderen möglicherweise völlig uninteressant oder sogar widerwärtig zu finden. Damit einher geht natürlich der Zwang, auch über diese uninteressanten Prominenten Bescheid zu wissen – denn wie sonst könnte man beim Fachgespräch unter Nicht-Prominenten überzeugend über die Lieblingsprominenten der anderen den Stab brechen?

Drittens kostet das Geld. Informationen, speziell Exklusivinformationen über Lieblingsprominente, eigene und die der anderen, sind teuer. Und dabei spielt es keine Rolle, ob diese Informationen wahr oder erfunden sind – Kreativität ist mindestens genauso teuer wie wochenlanges Auf-der-Lauer-Liegen.

Viertens kostet das, wenn wir ehrlich sind, Nerven.

Aber der Einsatz ist nicht vergebens. Der Lohn ist: Wissen, Informationen über Menschen, die laut Duden „hervorragend, bedeutend, maßgebend“ sind. Der Witz dabei: niemand braucht dieses Wissen; eigentlich reicht schon die Aufzählung der Namen, um beim sogenannten Fan Wohlbefinden auszulösen, Träume, Sehnsüchte, Wünsche. Aber bleiben wir beim tragischen Beispiel des eingangs genannten Berliner Entertainers.

Dieser Mann hat sein Publikum seit Jahrzehnten mit der Darstellung von Knallchargen in Film und Fernsehen erfolgreich bedient. Darüber hinaus hat er sich einen Namen als Sänger und Epigone von Frank Sinatra gemacht. Er könnte sich – grob geschätzt – zurücklehnen, Ruhm und Wohlstand genießen und seine Krankheit, den Alkoholismus, diskret bekämpfen. Möglicherweise möchte er das sogar. Leider wird Alkoholismus in Lust- und anderen Spielen gerne als unterhaltendes Element eingesetzt. Und so nimmt es das Publikum nicht nur hin, mit Berichten von den Ausfällen Juhnkes versorgt zu werden; es ist enttäuscht, wenn es diese Berichte über längere Zeit vorenthalten bekommt.

Es ist Tatsache, daß kein Mensch an einem bundesdeutschen Zeitschriftenstand mit vorgehaltener Waffe gezwungen wird, sich gedrucktes Informationsmaterial über die Ein- und Ausfälle der Stars zu kaufen. Wer das tut, tut es freiwillig. Eine komplette Industrie lebt davon – der Produzent eines Erfolgsfilms genauso wie der Klatschreporter und der Hersteller von Sammelbildchen und natürlich die Prominenten selbst – auch Harald Juhnke. Wer sich mit dessen Problemen beschäftigt, vergißt, wenn auch vielleicht nur für fünf Minuten, die eigenen. Wer von einem knackigen Sänger oder einer sexy Moderatorin träumt, vergißt, daß er oder sie auf dem Tanzstundenabschlußball bis zum Schluß sitzengeblieben ist. Und wer sich über die Geschmacklosigkeit der Wildecker Herzbuben aufregt, vergißt, daß er – genaugenommen -ebenfalls ein paar Kilo abnehmen könnte.

Und uns schießt an dieser Stelle völlig unvermittelt der Ausdruck vom „Opium für das Volk“ durch den Kopf. Warum nur?

Diese Mitmenschen haben eines gemeinsam: es sind Prominente. Das Wort klingt so, als ob es aus dem Lateinischen käme. Kommt es auch – es bedeutet laut Duden „hervorragend, bedeutend, maßgebend“. Wir sprechen trotzdem von Prominenten.

Prominent wird man durch die unterschiedlichsten Leistungen. Wer besser Tennis spielt als andere, wird prominent. Wer schneller Auto fährt als andere und dabei auch noch das längste Kinn von allen hat, wird prominent. Wer vor größerem Publikum fehlerfrei Witze erzählen kann, wird prominent – und es spielt dabei keine Rolle, ob er oder sie auch noch singen kann. Wer sich viel Text merken kann, wird durch seine Bühnenerfolge prominent. Wer sich nicht viel Text merken kann, geht zum Film.  Und wer auch nicht wirklich überzeugend andere darstellen kann, findet sein persönliches Prominententum immer noch zuverlässig in einer Seifenoper im Privatfernsehen.

Das hat Folgen.

Erstens müssen sich Nicht-Prominente immer mehr Namen merken, wollen sie auf dem Laufenden bleiben.

Zweitens muß jeder Nicht-Prominente gegenüber anderen Nicht-Prominenten oder möglicherweise auch sich selbst seine Entscheidung verteidigen, gerade für diesen Prominenten zu schwärmen – und einen anderen möglicherweise völlig uninteressant oder sogar widerwärtig zu finden. Damit einher geht natürlich der Zwang, auch über diese uninteressanten Prominenten Bescheid zu wissen – denn wie sonst könnte man beim Fachgespräch unter Nicht-Prominenten überzeugend über die Lieblingsprominenten der anderen den Stab brechen?

Drittens kostet das Geld. Informationen, speziell Exklusivinformationen über Lieblingsprominente, eigene und die der anderen, sind teuer. Und dabei spielt es keine Rolle, ob diese Informationen wahr oder erfunden sind – Kreativität ist mindestens genauso teuer wie wochenlanges Auf-der-Lauer-Liegen.

Viertens kostet das, wenn wir ehrlich sind, Nerven.

Aber der Einsatz ist nicht vergebens. Der Lohn ist: Wissen, Informationen über Menschen, die laut Duden „hervorragend, bedeutend, maßgebend“ sind. Der Witz dabei: niemand braucht dieses Wissen; eigentlich reicht schon die Aufzählung der Namen, um beim sogenannten Fan Wohlbefinden auszulösen, Träume, Sehnsüchte, Wünsche. Aber bleiben wir beim tragischen Beispiel des eingangs genannten Berliner Entertainers.

Dieser Mann hat sein Publikum seit Jahrzehnten mit der Darstellung von Knallchargen in Film und Fernsehen erfolgreich bedient. Darüber hinaus hat er sich einen Namen als Sänger und Epigone von Frank Sinatra gemacht. Er könnte sich – grob geschätzt – zurücklehnen, Ruhm und Wohlstand genießen und seine Krankheit, den Alkoholismus, diskret bekämpfen. Möglicherweise möchte er das sogar. Leider wird Alkoholismus in Lust- und anderen Spielen gerne als unterhaltendes Element eingesetzt. Und so nimmt es das Publikum nicht nur hin, mit Berichten von den Ausfällen Juhnkes versorgt zu werden; es ist enttäuscht, wenn es diese Berichte über längere Zeit vorenthalten bekommt.

Es ist Tatsache, daß kein Mensch an einem bundesdeutschen Zeitschriftenstand mit vorgehaltener Waffe gezwungen wird, sich gedrucktes Informationsmaterial über die Ein- und Ausfälle der Stars zu kaufen. Wer das tut, tut es freiwillig. Eine komplette Industrie lebt davon – der Produzent eines Erfolgsfilms genauso wie der Klatschreporter und der Hersteller von Sammelbildchen und natürlich die Prominenten selbst – auch Harald Juhnke. Wer sich mit dessen Problemen beschäftigt, vergißt, wenn auch vielleicht nur für fünf Minuten, die eigenen. Wer von einem knackigen Sänger oder einer sexy Moderatorin träumt, vergißt, daß er oder sie auf dem Tanzstundenabschlußball bis zum Schluß sitzengeblieben ist. Und wer sich über die Geschmacklosigkeit der Wildecker Herzbuben aufregt, vergißt, daß er – genaugenommen -ebenfalls ein paar Kilo abnehmen könnte.

Und uns schießt an dieser Stelle völlig unvermittelt der Ausdruck vom „Opium für das Volk“ durch den Kopf. Warum nur?

Diese Mitmenschen haben eines gemeinsam: es sind Prominente. Das Wort klingt so, als ob es aus dem Lateinischen käme. Kommt es auch – es bedeutet laut Duden „hervorragend, bedeutend, maßgebend“. Wir sprechen trotzdem von Prominenten.

Prominent wird man durch die unterschiedlichsten Leistungen. Wer besser Tennis spielt als andere, wird prominent. Wer schneller Auto fährt als andere und dabei auch noch das längste Kinn von allen hat, wird prominent. Wer vor größerem Publikum fehlerfrei Witze erzählen kann, wird prominent – und es spielt dabei keine Rolle, ob er oder sie auch noch singen kann. Wer sich viel Text merken kann, wird durch seine Bühnenerfolge prominent. Wer sich nicht viel Text merken kann, geht zum Film. Und wer auch nicht wirklich überzeugend andere darstellen kann, findet sein persönliches Prominententum immer noch zuverlässig in einer Seifenoper im Privatfernsehen.

Das hat Folgen.

Erstens müssen sich Nicht-Prominente immer mehr Namen merken, wollen sie auf dem Laufenden bleiben.

Zweitens muß jeder Nicht-Prominente gegenüber anderen Nicht-Prominenten oder möglicherweise auch sich selbst seine Entscheidung verteidigen, gerade für diesen Prominenten zu schwärmen – und einen anderen möglicherweise völlig uninteressant oder sogar widerwärtig zu finden. Damit einher geht natürlich der Zwang, auch über diese uninteressanten Prominenten Bescheid zu wissen – denn wie sonst könnte man beim Fachgespräch unter Nicht-Prominenten überzeugend über die Lieblingsprominenten der anderen den Stab brechen?

Drittens kostet das Geld. Informationen, speziell Exklusivinformationen über Lieblingsprominente, eigene und die der anderen, sind teuer. Und dabei spielt es keine Rolle, ob diese Informationen wahr oder erfunden sind – Kreativität ist mindestens genauso teuer wie wochenlanges Auf-der-Lauer-Liegen.

Viertens kostet das, wenn wir ehrlich sind, Nerven.

Aber der Einsatz ist nicht vergebens. Der Lohn ist: Wissen, Informationen über Menschen, die laut Duden „hervorragend, bedeutend, maßgebend“ sind. Der Witz dabei: niemand braucht dieses Wissen; eigentlich reicht schon die Aufzählung der Namen, um beim sogenannten Fan Wohlbefinden auszulösen, Träume, Sehnsüchte, Wünsche. Aber bleiben wir beim tragischen Beispiel des eingangs genannten Berliner Entertainers.

Dieser Mann hat sein Publikum seit Jahrzehnten mit der Darstellung von Knallchargen in Film und Fernsehen erfolgreich bedient. Darüber hinaus hat er sich einen Namen als Sänger und Epigone von Frank Sinatra gemacht. Er könnte sich – grob geschätzt – zurücklehnen, Ruhm und Wohlstand genießen und seine Krankheit, den Alkoholismus, diskret bekämpfen. Möglicherweise möchte er das sogar. Leider wird Alkoholismus in Lust- und anderen Spielen gerne als unterhaltendes Element eingesetzt. Und so nimmt es das Publikum nicht nur hin, mit Berichten von den Ausfällen Juhnkes versorgt zu werden; es ist enttäuscht, wenn es diese Berichte über längere Zeit vorenthalten bekommt.

Es ist Tatsache, daß kein Mensch an einem bundesdeutschen Zeitschriftenstand mit vorgehaltener Waffe gezwungen wird, sich gedrucktes Informationsmaterial über die Ein- und Ausfälle der Stars zu kaufen. Wer das tut, tut es freiwillig. Eine komplette Industrie lebt davon – der Produzent eines Erfolgsfilms genauso wie der Klatschreporter und der Hersteller von Sammelbildchen und natürlich die Prominenten selbst – auch Harald Juhnke. Wer sich mit dessen Problemen beschäftigt, vergißt, wenn auch vielleicht nur für fünf Minuten, die eigenen. Wer von einem knackigen Sänger oder einer sexy Moderatorin träumt, vergißt, daß er oder sie auf dem Tanzstundenabschlußball bis zum Schluß sitzengeblieben ist. Und wer sich über die Geschmacklosigkeit der Wildecker Herzbuben aufregt, vergißt, daß er – genaugenommen -ebenfalls ein paar Kilo abnehmen könnte.

Und uns schießt an dieser Stelle völlig unvermittelt der Ausdruck vom „Opium für das Volk“ durch den Kopf. Warum nur?

Thema: ...aber wahr | Kommentare (0)