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	<title>Liquidpress &#187; &#8230;aber wahr</title>
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	<description>Netz im Fluss</description>
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		<title>Promi-Kult</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 12:18:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Konstantin Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[...aber wahr]]></category>

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		<description><![CDATA[(Hinweis: Schon im letzten Jahrtausend, lange vor der Erfindung des Selbstbeschreibungs-Internets, ist der eine oder andere b&#246;se Text entstanden&#8230;)
Beginnen wir mit Wissenswertem &#252;ber Mitmenschen. Boris Becker wandert nach Amerika aus. Und Alfred Biolek mag lieber M&#228;nner. Und Fritz Egner hat offensichtlich zuviel Geld, das er vor dem Euro nach &#220;bersee retten mu&#223;. Und Joschka Fischer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>(Hinweis: Schon im letzten Jahrtausend, lange vor der Erfindung des Selbstbeschreibungs-Internets, ist der eine oder andere b&#246;se Text entstanden&#8230;)</em></p>
<p>Beginnen wir mit Wissenswertem &#252;ber Mitmenschen. Boris Becker wandert nach Amerika aus. Und Alfred Biolek mag lieber M&#228;nner. Und Fritz Egner hat offensichtlich zuviel Geld, das er vor dem Euro nach &#220;bersee retten mu&#223;. Und Joschka Fischer ist nicht Vater des Kindes, mit dem seine Noch-Ehefrau derzeit schwanger geht. Und J&#252;rgen W. M&#246;llemann m&#246;chte gerne Kanzler werden, wei&#223; aber nicht, wie. Und Arnold Schwarzenegger i&#223;t am liebsten Apfelstrudel nach dem Rezept seiner Mutter. Und Thomas Gottschalk&#8230; und Hella von Sinnen&#8230; und irgendwo auch noch Rudi Carell&#8230; und zwischendurch mal Sabine Christiansen, f&#252;r die Intellektuellen&#8230; und dann wieder Eduard Zimmermann, f&#252;r alle&#8230; und die Back Street Boys&#8230; und Luciano Pavarotti, der ja fast schon Verehrung f&#252;r zwei verbraucht&#8230; und Harald Juhnke&#8230; ja, vor allem Harald Juhnke.</p>
<p>Diese Mitmenschen haben eines gemeinsam: es sind Prominente. Das Wort klingt so, als ob es aus dem Lateinischen k&#228;me. Kommt es auch &#8211; es bedeutet laut Duden „hervorragend, bedeutend, ma&#223;gebend“. Wir sprechen trotzdem von Prominenten.</p>
<p>Prominent wird man durch die unterschiedlichsten Leistungen. Wer besser Tennis spielt als andere, wird prominent. Wer schneller Auto f&#228;hrt als andere und dabei auch noch das l&#228;ngste Kinn von allen hat, wird prominent. Wer vor gr&#246;&#223;erem Publikum fehlerfrei Witze erz&#228;hlen kann, wird prominent &#8211; und es spielt dabei keine Rolle, ob er oder sie auch noch singen kann. Wer sich viel Text merken kann, wird durch seine B&#252;hnenerfolge prominent. Wer sich nicht viel Text merken kann, geht zum Film.  Und wer auch nicht wirklich &#252;berzeugend andere darstellen kann, findet sein pers&#246;nliches Prominententum immer noch zuverl&#228;ssig in einer Seifenoper im Privatfernsehen.</p>
<p>Das hat Folgen.</p>
<p>Erstens m&#252;ssen sich Nicht-Prominente immer mehr Namen merken, wollen sie auf dem Laufenden bleiben.</p>
<p>Zweitens mu&#223; jeder Nicht-Prominente gegen&#252;ber anderen Nicht-Prominenten oder m&#246;glicherweise auch sich selbst seine Entscheidung verteidigen, gerade f&#252;r diesen Prominenten zu schw&#228;rmen &#8211; und einen anderen m&#246;glicherweise v&#246;llig uninteressant oder sogar widerw&#228;rtig zu finden. Damit einher geht nat&#252;rlich der Zwang, auch &#252;ber diese uninteressanten Prominenten Bescheid zu wissen &#8211; denn wie sonst k&#246;nnte man beim Fachgespr&#228;ch unter Nicht-Prominenten &#252;berzeugend &#252;ber die Lieblingsprominenten der anderen den Stab brechen?</p>
<p>Drittens kostet das Geld. Informationen, speziell Exklusivinformationen &#252;ber Lieblingsprominente, eigene und die der anderen, sind teuer. Und dabei spielt es keine Rolle, ob diese Informationen wahr oder erfunden sind &#8211; Kreativit&#228;t ist mindestens genauso teuer wie wochenlanges Auf-der-Lauer-Liegen.</p>
<p>Viertens kostet das, wenn wir ehrlich sind, Nerven.</p>
<p>Aber der Einsatz ist nicht vergebens. Der Lohn ist: Wissen, Informationen &#252;ber Menschen, die laut Duden „hervorragend, bedeutend, ma&#223;gebend“ sind. Der Witz dabei: niemand braucht dieses Wissen; eigentlich reicht schon die Aufz&#228;hlung der Namen, um beim sogenannten Fan Wohlbefinden auszul&#246;sen, Tr&#228;ume, Sehns&#252;chte, W&#252;nsche. Aber bleiben wir beim tragischen Beispiel des eingangs genannten Berliner Entertainers.</p>
<p>Dieser Mann hat sein Publikum seit Jahrzehnten mit der Darstellung von Knallchargen in Film und Fernsehen erfolgreich bedient. Dar&#252;ber hinaus hat er sich einen Namen als S&#228;nger und Epigone von Frank Sinatra gemacht. Er k&#246;nnte sich &#8211; grob gesch&#228;tzt &#8211; zur&#252;cklehnen, Ruhm und Wohlstand genie&#223;en und seine Krankheit, den Alkoholismus, diskret bek&#228;mpfen. M&#246;glicherweise m&#246;chte er das sogar. Leider wird Alkoholismus in Lust- und anderen Spielen gerne als unterhaltendes Element eingesetzt. Und so nimmt es das Publikum nicht nur hin, mit Berichten von den Ausf&#228;llen Juhnkes versorgt zu werden; es ist entt&#228;uscht, wenn es diese Berichte &#252;ber l&#228;ngere Zeit vorenthalten bekommt.</p>
<p>Es ist Tatsache, da&#223; kein Mensch an einem bundesdeutschen Zeitschriftenstand mit vorgehaltener Waffe gezwungen wird, sich gedrucktes Informationsmaterial &#252;ber die Ein- und Ausf&#228;lle der Stars zu kaufen. Wer das tut, tut es freiwillig. Eine komplette Industrie lebt davon &#8211; der Produzent eines Erfolgsfilms genauso wie der Klatschreporter und der Hersteller von Sammelbildchen und nat&#252;rlich die Prominenten selbst &#8211; auch Harald Juhnke. Wer sich mit dessen Problemen besch&#228;ftigt, vergi&#223;t, wenn auch vielleicht nur f&#252;r f&#252;nf Minuten, die eigenen. Wer von einem knackigen S&#228;nger oder einer sexy Moderatorin tr&#228;umt, vergi&#223;t, da&#223; er oder sie auf dem Tanzstundenabschlu&#223;ball bis zum Schlu&#223; sitzengeblieben ist. Und wer sich &#252;ber die Geschmacklosigkeit der Wildecker Herzbuben aufregt, vergi&#223;t, da&#223; er &#8211; genaugenommen -ebenfalls ein paar Kilo abnehmen k&#246;nnte.</p>
<p>Und uns schie&#223;t an dieser Stelle v&#246;llig unvermittelt der Ausdruck vom „Opium f&#252;r das Volk“ durch den Kopf. Warum nur?</p>
<p>Diese Mitmenschen haben eines gemeinsam: es sind Prominente. Das Wort klingt so, als ob es aus dem Lateinischen k&#228;me. Kommt es auch &#8211; es bedeutet laut Duden „hervorragend, bedeutend, ma&#223;gebend“. Wir sprechen trotzdem von Prominenten.</p>
<p>Prominent wird man durch die unterschiedlichsten Leistungen. Wer besser Tennis spielt als andere, wird prominent. Wer schneller Auto f&#228;hrt als andere und dabei auch noch das l&#228;ngste Kinn von allen hat, wird prominent. Wer vor gr&#246;&#223;erem Publikum fehlerfrei Witze erz&#228;hlen kann, wird prominent &#8211; und es spielt dabei keine Rolle, ob er oder sie auch noch singen kann. Wer sich viel Text merken kann, wird durch seine B&#252;hnenerfolge prominent. Wer sich nicht viel Text merken kann, geht zum Film.  Und wer auch nicht wirklich &#252;berzeugend andere darstellen kann, findet sein pers&#246;nliches Prominententum immer noch zuverl&#228;ssig in einer Seifenoper im Privatfernsehen.</p>
<p>Das hat Folgen.</p>
<p>Erstens m&#252;ssen sich Nicht-Prominente immer mehr Namen merken, wollen sie auf dem Laufenden bleiben.</p>
<p>Zweitens mu&#223; jeder Nicht-Prominente gegen&#252;ber anderen Nicht-Prominenten oder m&#246;glicherweise auch sich selbst seine Entscheidung verteidigen, gerade f&#252;r diesen Prominenten zu schw&#228;rmen &#8211; und einen anderen m&#246;glicherweise v&#246;llig uninteressant oder sogar widerw&#228;rtig zu finden. Damit einher geht nat&#252;rlich der Zwang, auch &#252;ber diese uninteressanten Prominenten Bescheid zu wissen &#8211; denn wie sonst k&#246;nnte man beim Fachgespr&#228;ch unter Nicht-Prominenten &#252;berzeugend &#252;ber die Lieblingsprominenten der anderen den Stab brechen?</p>
<p>Drittens kostet das Geld. Informationen, speziell Exklusivinformationen &#252;ber Lieblingsprominente, eigene und die der anderen, sind teuer. Und dabei spielt es keine Rolle, ob diese Informationen wahr oder erfunden sind &#8211; Kreativit&#228;t ist mindestens genauso teuer wie wochenlanges Auf-der-Lauer-Liegen.</p>
<p>Viertens kostet das, wenn wir ehrlich sind, Nerven.</p>
<p>Aber der Einsatz ist nicht vergebens. Der Lohn ist: Wissen, Informationen &#252;ber Menschen, die laut Duden „hervorragend, bedeutend, ma&#223;gebend“ sind. Der Witz dabei: niemand braucht dieses Wissen; eigentlich reicht schon die Aufz&#228;hlung der Namen, um beim sogenannten Fan Wohlbefinden auszul&#246;sen, Tr&#228;ume, Sehns&#252;chte, W&#252;nsche. Aber bleiben wir beim tragischen Beispiel des eingangs genannten Berliner Entertainers.</p>
<p>Dieser Mann hat sein Publikum seit Jahrzehnten mit der Darstellung von Knallchargen in Film und Fernsehen erfolgreich bedient. Dar&#252;ber hinaus hat er sich einen Namen als S&#228;nger und Epigone von Frank Sinatra gemacht. Er k&#246;nnte sich &#8211; grob gesch&#228;tzt &#8211; zur&#252;cklehnen, Ruhm und Wohlstand genie&#223;en und seine Krankheit, den Alkoholismus, diskret bek&#228;mpfen. M&#246;glicherweise m&#246;chte er das sogar. Leider wird Alkoholismus in Lust- und anderen Spielen gerne als unterhaltendes Element eingesetzt. Und so nimmt es das Publikum nicht nur hin, mit Berichten von den Ausf&#228;llen Juhnkes versorgt zu werden; es ist entt&#228;uscht, wenn es diese Berichte &#252;ber l&#228;ngere Zeit vorenthalten bekommt.</p>
<p>Es ist Tatsache, da&#223; kein Mensch an einem bundesdeutschen Zeitschriftenstand mit vorgehaltener Waffe gezwungen wird, sich gedrucktes Informationsmaterial &#252;ber die Ein- und Ausf&#228;lle der Stars zu kaufen. Wer das tut, tut es freiwillig. Eine komplette Industrie lebt davon &#8211; der Produzent eines Erfolgsfilms genauso wie der Klatschreporter und der Hersteller von Sammelbildchen und nat&#252;rlich die Prominenten selbst &#8211; auch Harald Juhnke. Wer sich mit dessen Problemen besch&#228;ftigt, vergi&#223;t, wenn auch vielleicht nur f&#252;r f&#252;nf Minuten, die eigenen. Wer von einem knackigen S&#228;nger oder einer sexy Moderatorin tr&#228;umt, vergi&#223;t, da&#223; er oder sie auf dem Tanzstundenabschlu&#223;ball bis zum Schlu&#223; sitzengeblieben ist. Und wer sich &#252;ber die Geschmacklosigkeit der Wildecker Herzbuben aufregt, vergi&#223;t, da&#223; er &#8211; genaugenommen -ebenfalls ein paar Kilo abnehmen k&#246;nnte.</p>
<p>Und uns schie&#223;t an dieser Stelle v&#246;llig unvermittelt der Ausdruck vom „Opium f&#252;r das Volk“ durch den Kopf. Warum nur?</p>
<p>Diese Mitmenschen haben eines gemeinsam: es sind Prominente. Das Wort klingt so, als ob es aus dem Lateinischen k&#228;me. Kommt es auch &#8211; es bedeutet laut Duden „hervorragend, bedeutend, ma&#223;gebend“. Wir sprechen trotzdem von Prominenten.</p>
<p>Prominent wird man durch die unterschiedlichsten Leistungen. Wer besser Tennis spielt als andere, wird prominent. Wer schneller Auto f&#228;hrt als andere und dabei auch noch das l&#228;ngste Kinn von allen hat, wird prominent. Wer vor gr&#246;&#223;erem Publikum fehlerfrei Witze erz&#228;hlen kann, wird prominent &#8211; und es spielt dabei keine Rolle, ob er oder sie auch noch singen kann. Wer sich viel Text merken kann, wird durch seine B&#252;hnenerfolge prominent. Wer sich nicht viel Text merken kann, geht zum Film.  Und wer auch nicht wirklich &#252;berzeugend andere darstellen kann, findet sein pers&#246;nliches Prominententum immer noch zuverl&#228;ssig in einer Seifenoper im Privatfernsehen.</p>
<p>Das hat Folgen.</p>
<p>Erstens m&#252;ssen sich Nicht-Prominente immer mehr Namen merken, wollen sie auf dem Laufenden bleiben.</p>
<p>Zweitens mu&#223; jeder Nicht-Prominente gegen&#252;ber anderen Nicht-Prominenten oder m&#246;glicherweise auch sich selbst seine Entscheidung verteidigen, gerade f&#252;r diesen Prominenten zu schw&#228;rmen &#8211; und einen anderen m&#246;glicherweise v&#246;llig uninteressant oder sogar widerw&#228;rtig zu finden. Damit einher geht nat&#252;rlich der Zwang, auch &#252;ber diese uninteressanten Prominenten Bescheid zu wissen &#8211; denn wie sonst k&#246;nnte man beim Fachgespr&#228;ch unter Nicht-Prominenten &#252;berzeugend &#252;ber die Lieblingsprominenten der anderen den Stab brechen?</p>
<p>Drittens kostet das Geld. Informationen, speziell Exklusivinformationen &#252;ber Lieblingsprominente, eigene und die der anderen, sind teuer. Und dabei spielt es keine Rolle, ob diese Informationen wahr oder erfunden sind &#8211; Kreativit&#228;t ist mindestens genauso teuer wie wochenlanges Auf-der-Lauer-Liegen.</p>
<p>Viertens kostet das, wenn wir ehrlich sind, Nerven.</p>
<p>Aber der Einsatz ist nicht vergebens. Der Lohn ist: Wissen, Informationen &#252;ber Menschen, die laut Duden „hervorragend, bedeutend, ma&#223;gebend“ sind. Der Witz dabei: niemand braucht dieses Wissen; eigentlich reicht schon die Aufz&#228;hlung der Namen, um beim sogenannten Fan Wohlbefinden auszul&#246;sen, Tr&#228;ume, Sehns&#252;chte, W&#252;nsche. Aber bleiben wir beim tragischen Beispiel des eingangs genannten Berliner Entertainers.</p>
<p>Dieser Mann hat sein Publikum seit Jahrzehnten mit der Darstellung von Knallchargen in Film und Fernsehen erfolgreich bedient. Dar&#252;ber hinaus hat er sich einen Namen als S&#228;nger und Epigone von Frank Sinatra gemacht. Er k&#246;nnte sich &#8211; grob gesch&#228;tzt &#8211; zur&#252;cklehnen, Ruhm und Wohlstand genie&#223;en und seine Krankheit, den Alkoholismus, diskret bek&#228;mpfen. M&#246;glicherweise m&#246;chte er das sogar. Leider wird Alkoholismus in Lust- und anderen Spielen gerne als unterhaltendes Element eingesetzt. Und so nimmt es das Publikum nicht nur hin, mit Berichten von den Ausf&#228;llen Juhnkes versorgt zu werden; es ist entt&#228;uscht, wenn es diese Berichte &#252;ber l&#228;ngere Zeit vorenthalten bekommt.</p>
<p>Es ist Tatsache, da&#223; kein Mensch an einem bundesdeutschen Zeitschriftenstand mit vorgehaltener Waffe gezwungen wird, sich gedrucktes Informationsmaterial &#252;ber die Ein- und Ausf&#228;lle der Stars zu kaufen. Wer das tut, tut es freiwillig. Eine komplette Industrie lebt davon &#8211; der Produzent eines Erfolgsfilms genauso wie der Klatschreporter und der Hersteller von Sammelbildchen und nat&#252;rlich die Prominenten selbst &#8211; auch Harald Juhnke. Wer sich mit dessen Problemen besch&#228;ftigt, vergi&#223;t, wenn auch vielleicht nur f&#252;r f&#252;nf Minuten, die eigenen. Wer von einem knackigen S&#228;nger oder einer sexy Moderatorin tr&#228;umt, vergi&#223;t, da&#223; er oder sie auf dem Tanzstundenabschlu&#223;ball bis zum Schlu&#223; sitzengeblieben ist. Und wer sich &#252;ber die Geschmacklosigkeit der Wildecker Herzbuben aufregt, vergi&#223;t, da&#223; er &#8211; genaugenommen -ebenfalls ein paar Kilo abnehmen k&#246;nnte.</p>
<p>Und uns schie&#223;t an dieser Stelle v&#246;llig unvermittelt der Ausdruck vom „Opium f&#252;r das Volk“ durch den Kopf. Warum nur?</p>
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		<title>North by Northwest</title>
		<link>http://www.liquidpress.de/2009/08/12/north-by-northwest/</link>
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		<pubDate>Wed, 12 Aug 2009 20:05:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Konstantin Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[...aber wahr]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Diesel brummelt gelassen. Nicht zu fassen, wie sanft Spreewasser am Bootsrumpf entlang rauschen kann. Nicht zu fassen auch, wie gelassen Berliner miteinander umgehen k&#246;nnen, sobald sie nicht mit der S-Bahn oder dem eigenen Auto unterwegs sind, sondern mit dem Boot. Dabei herrscht durchaus wochenendgerechter Verkehr; die Schleusen sind voll, und bei der Ausflugsgastst&#228;tte mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_63" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.liquidpress.de/wp-content/3809375800_3561689cda_b.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-63" title="North by Northwest" src="http://www.liquidpress.de/wp-content/3809375800_3561689cda_b-150x150.jpg" alt="North by Northwest" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">North by Northwest</p></div>
<p>Der Diesel brummelt gelassen. Nicht zu fassen, wie sanft Spreewasser am Bootsrumpf entlang rauschen kann. Nicht zu fassen auch, wie gelassen Berliner miteinander umgehen k&#246;nnen, sobald sie nicht mit der S-Bahn oder dem eigenen Auto unterwegs sind, sondern mit dem Boot. Dabei herrscht durchaus wochenendgerechter Verkehr; die Schleusen sind voll, und bei der Ausflugsgastst&#228;tte mit dem unwahrscheinlichen Namen &#8220;<a href="http://www.neu-helgoland.de/">Neu-Helgoland</a>&#8221; ist zwischendurch zwar vielleicht noch ein Tisch frei, aber kein Anlegeplatz.</p>
<p>Dann wieder Leinen los, und ruhig nimmt <a href="http://anna-blume-charter.de">Susanna</a> Kurs flussaufw&#228;rts, in friedlichere Gew&#228;sser. Anker raus in Ufern&#228;he, Badeleiter &#252;ber die Bordwand, fertig ist die private Badeinsel. Die n&#228;chste Gruppe, das n&#228;chste Boot liegt mehr als 100 Meter weiter, und neidvoll gucken &#252;bergewichtige Brandenburger vom Ufer her&#252;ber.</p>
<p>Ab und zu verbrennt ein Irrer &#252;berfl&#252;ssig Treibstoff und schl&#228;gt Wellen. Dann wieder Ruhe. Und langsam, ganz langsam nimmt die Haut ein knuspriges Braun an.</p>
<p>Was Berlin-Touristen selten mitbekommen: Berlin liegt am und auf dem Wasser. Und manchmal kommt man sich gar nicht wie in der Hauptstadt (oder seiner Nachbarschaft) vor, sondern an einem verzauberten Ort in einem verzauberten Land.</p>
<p>Aber &#252;bernachten kann man wieder zuhause.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Anf&#228;nge</title>
		<link>http://www.liquidpress.de/2009/01/26/anfaenge/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Jan 2009 21:06:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heike Julia Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[...aber wahr]]></category>

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		<description><![CDATA[Um f&#252;nf Uhr morgens stand sie auf, duschte, f&#246;nte sich die Haare und zog sich an. Einen Moment lang &#252;berlegte sie, ob sie auf Make-up verzichten sollte, aber es konnte nicht schaden, auch an diesem Tag nicht. Sie schminkte sich sorgf&#228;ltig und l&#228;chelte ihrem Spiegelbild kurz zu.
Es war noch dunkel. Sie kochte Tee und schnitt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um f&#252;nf Uhr morgens stand sie auf, duschte, f&#246;nte sich die Haare und zog sich an. Einen Moment lang &#252;berlegte sie, ob sie auf Make-up verzichten sollte, aber es konnte nicht schaden, auch an diesem Tag nicht. Sie schminkte sich sorgf&#228;ltig und l&#228;chelte ihrem Spiegelbild kurz zu.</p>
<p>Es war noch dunkel. Sie kochte Tee und schnitt zwei Scheiben Kuchen ab. Dann legte sie eine CD ein, h&#246;rte Musik und sah eine Weile aus dem Fenster. Die Stra&#223;e war ruhig, niemand unterwegs. Sie trank ihren Tee und a&#223; ein St&#252;ck Marmorkuchen. Der Schokoladen&#252;berzug knackte leise, und sie kaute jeden Bissen langsam zu einem s&#252;&#223;en Brei, der wohlig nach Kindheit schmeckte.<br />
Sie wollte einen Moment Zeit haben, noch ein wenig Zeit f&#252;r sich selbst, genau jetzt, an diesem Morgen. Es wurde allm&#228;hlich d&#228;mmrig.</p>
<p>Sie weckte ihren Mann. Er wollte keinen Tee, auch keinen Marmorkuchen.<br />
Um halb sieben fuhren sie los. Sie stellte sich vor, das Krankenhaus w&#228;re ein Hotel, in dem man ein Zimmer f&#252;r sie reserviert h&#228;tte, denn sie mochte Hotels. Dann Untersuchung, schnell, routiniert, ohne viele Worte.<br />
Sie wartete auf ein Ergebnis, aber es kam niemand mehr. Die Nachtschicht wurde abgel&#246;st, wahrscheinlich lag es daran.</p>
<p>Auf dem Flur gab es eine Bank, auf der man warten konnte. Der Flur hatte keine Fenster und auf der T&#252;r der Station stand, der Eintritt sei verboten.<br />
Sie sa&#223; neben ihrem Mann und umfasste den Griff der nagelneuen Reisetasche.<br />
Eine Frau kam und gab ihr ein Formular, das sie unterschreiben musste.<br />
Es war ihr egal, was sie unterschrieb.<br />
Eine andere Frau mit Pferdeschwanz und strengem Gesichtsausdruck holte sie schlie&#223;lich ab und sie standen auf und folgten ihr durch die Stationst&#252;r.<br />
Mit einer Mischung aus Stolz und Angst tat sie von jetzt an alles, wozu man sie aufforderte.</p>
<p>Um halb neun sah sie zum letzten Mal auf eine Uhr, die im Flur an der Wand hing.<br />
Dann begann die Zeit stillzustehen. Sie verschwand einfach, genau wie die Gedanken verschwanden, die Gef&#252;hle und die Entscheidungen.</p>
<p>Sie lag in einer riesigen Badewanne und sah, wie das Wasser langsam herauslief.<br />
Eine Frau kam und half ihr, aufzustehen. Ihr Mann trug die Reisetasche.<br />
Dann ging sie im Bademantel langsam an einer Haltestange den Flur entlang, sehr langsam. Sie befolgte die Anweisungen der Menschen, die hier das Sagen hatten. Freundlich, aber bestimmt. Eine Nadel in die Vene, ein kleiner Schlauch. Sp&#228;ter gab es nichts mehr zu sagen, alles teilte sich von selbst und wortlos mit. Man hatte ihr fr&#252;h beigebracht, sich zu beherrschen.</p>
<p>Irgendwann sagte sie, sie halte das nicht aus. Zu sp&#228;t, hie&#223; es, man k&#246;nne jetzt nichts mehr machen. Pl&#246;tzlich Aufregung im Zimmer, noch mehr fremde Menschen, die diskutierten. Dann kam ein &#228;lterer Mann, vor dem alle respektvoll zur&#252;ckwichen und sagte, er werde etwas Unangenehmes tun m&#252;ssen. Sie schrie ihn an, er solle seine H&#228;nde wegnehmen, sofort. Er nahm sie nicht fort, ganz im Gegenteil.<br />
Das Zimmer verschwand, die Gestalten wurden undeutlich und sie glaubte, die Flut w&#252;rde sie verschlingen. M&#246;glicherweise w&#252;rde sie sterben, dachte sie, aber sie hatte die Augen weit offen und sah &#252;berrascht, was in der Flut passiert war.</p>
<p>Dann schrie ihr erster Sohn. Und das Leben war wunderbar.</p>
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		<item>
		<title>Favoriten</title>
		<link>http://www.liquidpress.de/2008/11/23/favoriten/</link>
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		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 21:18:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heike Julia Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[...aber wahr]]></category>

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		<description><![CDATA[Als ich anfing, dar&#252;ber nachzudenken, ist mir klar geworden, dass ich echte Favoriten nur als Kind hatte. Oder mir nur als Kind erlaubt habe, welche zu haben. Sp&#228;ter glaubte ich lange, immer furchtbar differenziert sein zu m&#252;ssen, damit mich &#252;berhaupt jemand ernst n&#228;hme. Also kam kein Lieblingsthema mehr zustande.
Die Sache mit den Favoriten ist, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich anfing, dar&#252;ber nachzudenken, ist mir klar geworden, dass ich echte Favoriten nur als Kind hatte. Oder mir nur als Kind erlaubt habe, welche zu haben. Sp&#228;ter glaubte ich lange, immer furchtbar differenziert sein zu m&#252;ssen, damit mich &#252;berhaupt jemand ernst n&#228;hme. Also kam kein Lieblingsthema mehr zustande.</p>
<p>Die Sache mit den Favoriten ist, dass man sich f&#252;r sie entscheiden muss, denn nur so k&#246;nnen sie ja zu Favoriten werden. Lieblingsessen, Lieblingsmusik, Lieblingsfarbe, Lieblingslandschaft. Wie soll man sich daf&#252;r entscheiden?</p>
<p>Wenn ich mich f&#252;r ein Lieblingsessen entscheide, gebe ich ja all den anderen Lieblingsessen keine Chance. Wenn ich mich f&#252;r Blau entscheide, was wird dann aus gr&#252;n? Und wenn ich Nudeln sage, entscheide ich mich gegen Reis. Wenn ich Bach sage, entscheide ich mich gegen Mozart. Wenn ich Berge sage, entscheide ich mich gegen das Meer.</p>
<p>Mein Favorit ist, was mir nicht zu viel wird.</p>
<p>St&#228;dte k&#246;nnen einem zu viel werden, D&#246;rfer werden mir sehr schnell zu viel, Menschen k&#246;nnen mir zu viel werden, sogar Kinder k&#246;nnen einem zu viel werden, obwohl man das nicht sagen darf, Musik kann einem zu viel werden, Politik kann zu viel werden, Kultiviertheit kann zu viel werden, Bildung kann zu viel werden, Ger&#252;che k&#246;nnen zu viel werden, Essen kann zu viel werden, Gespr&#228;che k&#246;nnen mir zu viel werden, Kunst kann einem zu viel werden, sogar B&#252;cher k&#246;nnen mir zu viel werden, Dummheit kann mir zu viel werden, Klugheit kann mir zu viel werden, Licht kann mir zu viel werden, Schatten kann mir auch zu viel werden, der Himmel kann mir zu viel werden, Wolken nat&#252;rlich, aber auch die Sonne kann mir zu viel werden.Was bleibt?</p>
<p>Das Meer.</p>
<p>Das Meer war mir noch nie zu viel. Im Gegenteil, es hat mir nie gereicht, das Meer. Ich wollte immer noch mehr davon. Das Meer ist das Einzige, was ich ununterbrochen betrachten k&#246;nnte. Es wurde mir noch nie langweilig, aufs Meer zu schauen. Egal welches Meer. Und vor allem, ich finde es immer sch&#246;n, egal in welchem Zustand es ist.</p>
<p>Das Meer ist mein Favorit.</p>
<p>Es regt mich auf und macht mich ruhig. Es ist immer sch&#246;n. Es hat jede Menge Farben. Es ist blau, gr&#252;n, grau, golden, braun, schwarz, rosa, violett. Es lebt, auch wenn es verletzt wird und jede Menge Dreck aushalten muss. Es regt sich auf, und am n&#228;chsten Tag ist es spiegelglatt und ruhig wie ein See, der alles verzeiht. Es riecht nach Wasser, Salz, Wind, Fisch, Sand, Holz, Algen, &#214;l, Benzin. Und noch nach viel mehr.</p>
<p>Das Meer riecht immer nach der ganzen Welt. Es riecht nach Geburt und Tod gleichzeitig.</p>
<p>Wir lieben es, obwohl es sich nicht im Geringsten um uns k&#252;mmert. Es l&#228;sst sich von uns lieben, aber wenn es Lust hat, f&#228;llt es &#252;ber uns her, gnadenlos. Ich habe den Verdacht, das Meer l&#228;chelt &#252;ber unsere Strandtage, an denen wir glauben, es sei ein harmloses blaut&#252;rkisgr&#252;nes Paradies, ja,&#8230; es l&#228;chelt einfach.<br />
Wir haben keine Ahnung vom Meer, auch wenn wir das meinen.</p>
<p>Wir untersch&#228;tzen es immer. Das Meer muss es nicht gut mit uns meinen, damit wir es lieben.</p>
<p>Deshalb ist es mein Favorit, das Meer.</p>
<p>Hier in Berlin ist ja kein Meer. Auch wenn es noch so viele Strandbars gibt. Am wenigsten verstehe ich den Bundespressestrand.</p>
<p>Aber dann auf einmal gehe ich an einem windigen, gerade noch sonnigen Mittwoch Ende August die gem&#228;chlichen breiten Treppen hinunter im Strandbad Wannsee , schlie&#223;e meine Augen zu wohligen schmalen Schlitzen und sehe das andere Ufer mit dem Haus der Wannseekonferenz f&#252;r einen Moment nicht mehr.</p>
<p>Ich bin dann am Strand, das Meer ist da&#8230; und ich wei&#223;, f&#252;r eine Weile muss ich mich f&#252;r gar nichts entscheiden.</p>
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		<title>Rot-Wei&#223; Essen</title>
		<link>http://www.liquidpress.de/2008/11/22/rot-weiss-essen/</link>
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		<pubDate>Sat, 22 Nov 2008 21:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Konstantin Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[...aber wahr]]></category>
		<category><![CDATA[Erdbeeren]]></category>
		<category><![CDATA[Genuss]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Augen schlie&#223;en, die Z&#228;hne millimeterweise durch das frische Rot schlagen, mit der Zunge Rot und Wei&#223; miteinander mischen, kosten, auskosten. Aromen nachsp&#252;ren, S&#252;&#223;e und S&#228;ure genie&#223;en, hach ja.
Erdbeeren mit Schlagsahne.
Wahrscheinlich sind es die besten food stylists dieser Welt, die Erdbeeren auf ihren Auftritt vor meinem inneren Auge vorbereiten. Immer sind sie rot, rund, riesig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Augen schlie&#223;en, die Z&#228;hne millimeterweise durch das frische Rot schlagen, mit der Zunge Rot und Wei&#223; miteinander mischen, kosten, auskosten. Aromen nachsp&#252;ren, S&#252;&#223;e und S&#228;ure genie&#223;en, hach ja.</p>
<p>Erdbeeren mit Schlagsahne.</p>
<p>Wahrscheinlich sind es die besten food stylists dieser Welt, die Erdbeeren auf ihren Auftritt vor meinem inneren Auge vorbereiten. Immer sind sie rot, rund, riesig (die Erdbeeren, nicht die Stylisten). Immer sehen sie schon so gesund aus, dass der Mensch sich nie wieder Sorgen um Kalorien  und Vitamin-Mangelerscheinungen machen m&#246;chte. Immer liegt ein scharfer Glanz auf dem roten Fruchtfleisch, in das sich die kleinen gelbgr&#252;nen Kerne hineinkuscheln. Immer sieht man schon f&#246;rmlich die Geschmacksexplosion, die sich gleich, jetzt, ja, gleich&#8230;</p>
<p>&#8230;wenn es nicht nur eine Vorstellung w&#228;re.</p>
<p>Gl&#252;cklicherweise – und in Hinblick auf Erdbeeren bin ich ein bedingungslos gl&#252;cklicher Mensch – gl&#252;cklicherweise schaffen es Erdbeeren und Erdbeerprodukte immer wieder, meinen von der TV-Werbung vor meinem inneren Auge angeheizten Erwartungen, sagen wir, zumindest entgegenzukommen. Wer mich – aus welchem Grund auch immer – l&#228;cheln sehen will, braucht nur eines von den folgenden Dingen:<br />
•    Erdbeermarmelade<br />
•    Erdbeereis<br />
•    Erdbeerjoghurt<br />
•    Erdbeerquark<br />
•    Erdbeerkuchen<br />
•    Und eben Erdbeeren, mit Schlagsahne oder ohne, mit Zucker oder ohne, mit Zitronensaft, Alkohol, Pfeffer – oder ohne.</p>
<p>(Tipp f&#252;r Risikosucher: Erdbeersekt ist die gro&#223;e Ausnahme und f&#252;hrt zur sofortigen Aufk&#252;ndigung der Freundschaft)</p>
<p>Erdbeeren sind Sommer.</p>
<p>Erdbeeren sind Garten.</p>
<p>Erdbeeren sind Kindheit.</p>
<p>Und jetzt verrate ich ein Geheimnis: Wenn ich, was durchaus vorkam, im Gartenbedarfs-Katalog meiner Mutter schm&#246;kerte, waren es nicht die Seiten mit den Kettens&#228;gen und Heckenscheren, die mich am meisten fesselten, wie das f&#252;r einen kleinen Jungen normal w&#228;re; es waren die Seiten mit den Erdbeerpflanzen, die auf den Fotos immer unwahrscheinlich gro&#223;e, runde, rote Fr&#252;chte trugen. Wie das oft in der Kindheit ist, wurde damals eine lebenslange Obsession gegr&#252;ndet. Oder was man mit Obsessionen eben so macht.</p>
<p>Aber.</p>
<p>Aber es m&#252;ssen schon echte Erdbeeren bzw. die Aussicht auf den Genuss derselben sein, wenn bei mir die sogenannten Erdbeerphine, ausgesch&#252;ttet werden sollen. Grafische, wom&#246;glich lustige Darstellungen von Erdbeeren auf Fr&#252;hst&#252;cksgeschirr, Papierservietten, Bettw&#228;sche, Unterw&#228;sche lassen mich kalt, kalt wie&#8230;</p>
<p>Vanilleeis. Und auch auf meinem Computer und meinem tragbaren Kommunikationsger&#228;t sehe ich lieber das Abbild eines Apfels. Aber das ist wieder eine ganz andere Obsession.</p>
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		<title>Hauptsache, was Deftiges</title>
		<link>http://www.liquidpress.de/2008/09/01/hauptsache-was-deftiges/</link>
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		<pubDate>Sun, 31 Aug 2008 23:15:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heike Julia Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[...aber wahr]]></category>

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		<description><![CDATA[Kaum etwas habe ich bisher so gef&#252;rchtet, wie den Urlaub im eigenen Land. Wenn man in die Jahre kommt, macht man es eben doch, weil man es f&#252;r eine stressarme Angelegenheit h&#228;lt. Und weil es da einen fr&#252;her unbekannten Naturstrand gibt, was etwas hei&#223;en will. Und weil einem der August im S&#252;den inzwischen zu hei&#223; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum etwas habe ich bisher so gef&#252;rchtet, wie den Urlaub im eigenen Land. Wenn man in die Jahre kommt, macht man es eben doch, weil man es f&#252;r eine stressarme Angelegenheit h&#228;lt. Und weil es da einen fr&#252;her unbekannten Naturstrand gibt, was etwas hei&#223;en will. Und weil einem der August im S&#252;den inzwischen zu hei&#223; ist. Weil die Reisekosten gering sind. Und weil man gleich da ist.</p>
<p>Wenn man ankommt, gen&#252;gt ein kurzer Blick auf die Autonummern, um zu sehen, was da los ist. Ein einziges ausl&#228;ndisches Kennzeichen stammt aus einem Land, das dem eigenen vermutlich sehr &#228;hnlich ist. Wozu kommen die denn hierher, fragt man sich im Stillen, dort sieht es doch genau so aus wie bei uns. Oder vielleicht sogar besser. Aber es ist beruhigend, dass auch Ausl&#228;nder den Weg hierher finden. Es wertet den Ort doch gleich auf. Als erstes begegnen einem Verbots- und Aufforderungsschilder mit der Begr&#252;&#223;ung &#8220;Werte G&#228;ste&#8221;, die nicht nur wie aus einer anderen Welt klingt. Der textilfreie Bereich um die Sauna herum, etwa 6 Quadratmeter gro&#223;, darf nur mit einem &#8220;sichtbar getragenen roten Armband&#8221; betreten werden. &#8220;Wie k&#246;nnte man ihn mit einem unsichtbar getragenen roten Armband betreten&#8221;, frage ich mich immer wieder. Die Ausstattung ist maritim gehalten, in blau und wei&#223;, mit schmeichelnden goldenen Seepferdchen f&#252;r das urlaubsreife Gem&#252;t, das doch ein wenig Luxus ahnen m&#246;chte. Im n&#228;chstgelegenen Lokal gibt es die &#8220;wohl besten Waffeln aus Meck-Pomm&#8221;. Wir haben sie nicht probiert, ohne zu wissen, warum. Die Eisdiele hei&#223;t &#8220;San Marco&#8221;, und falls sie keine Kapazit&#228;ten mehr hat, gibt es gegen&#252;ber M&#246;venpickeis, auch sehr brauchbar. &#220;berall gibt es Fischbr&#246;tchen und Schollen und Hering mit Bratkartoffeln, aber auch Erbsensuppe und Currywurst. Die Alternative schlechthin: &#8220;H&#228;hnchenstation&#8221;, Gott sei Dank. Aber wir wollten ja diesmal nichts Exotisches. Der Edeka ist am Montagmorgen rappelvoll. Es gibt auch noch den Markant-Markt, lieblos, aber preiswert. Eine Pizzeria namens &#8220;San Remo&#8221;, deren strahlende Mitarbeiter allen Kindern sofort goldene Folienpalmwedelchen &#252;berreichen und so begeistert tun, dass einem schwindlig wird.</p>
<p>Am Strand fast ausschlie&#223;lich Familien mit Kleinkindern. S&#228;chsisch, schw&#228;bisch, th&#252;ringisch, das reicht ja dann auch. Im kalten Wasser fast nur Kinder, die das eben noch aushalten.</p>
<p>Der Blick aufs Wasser, die Wellen, doch, es ist schon sch&#246;n.</p>
<p>Man wei&#223; nicht, woran es liegt, dass hier trotz des manchmal sehr sch&#246;nen Lichtes keine Tr&#228;ume entstehen. Vielleicht, weil man geh&#246;rt hat, wie sich ein Sachse und ein Schwabe um den letzten Parkplatz stritten. &#8220;Hau doch ab, du Arschloch&#8221;. &#8220;Ich ruf die Polizei&#8221;. &#8220;Mach doch, du Arsch&#8221;.&#8221;Mach ich auch, du Dreckskerl&#8221;.</p>
<p>Und so weiter. Deutsche unter sich. Abends Bier und was Deftiges.</p>
<p>Auch im Urlaub. Hauptsache deftig.</p>
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		<title>l&#228;cheln</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Apr 2008 11:45:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heike Julia Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[...aber wahr]]></category>

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		<description><![CDATA[wenn einer l&#228;chelt
werden die anderen unsicher
&#252;berpr&#252;fen die kleidung
ob alles in ordnung ist
wenn ja
gehen sie weiter
eine spur aufrechter
und fragen sich
ob dieser l&#228;chler vielleicht ein irrer war
besonders junge leute
wirken besonders abgekl&#228;rt
die entmutigten bleiben gleich zuhause
oder gehen langsam auf und ab
in den gr&#252;nanlagen
die anderen haben andere probleme
die entscheidung zu treffen
zwischen vierhundert k&#228;sesorten
zum beispiel
ist so ein problem.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>wenn einer l&#228;chelt</p>
<p>werden die anderen unsicher</p>
<p>&#252;berpr&#252;fen die kleidung</p>
<p>ob alles in ordnung ist</p>
<p>wenn ja</p>
<p>gehen sie weiter</p>
<p>eine spur aufrechter</p>
<p>und fragen sich</p>
<p>ob dieser l&#228;chler vielleicht ein irrer war</p>
<p>besonders junge leute</p>
<p>wirken besonders abgekl&#228;rt</p>
<p>die entmutigten bleiben gleich zuhause</p>
<p>oder gehen langsam auf und ab</p>
<p>in den gr&#252;nanlagen</p>
<p>die anderen haben andere probleme</p>
<p>die entscheidung zu treffen</p>
<p>zwischen vierhundert k&#228;sesorten</p>
<p>zum beispiel</p>
<p>ist so ein problem.</p>
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		<title>Hallenser Zyklus Herbst 1</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Apr 2008 11:38:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heike Julia Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[...aber wahr]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute eher Soll-Bruch-Stellen
alles stinkt zum Blassmond
mundwinkeliges Herunterzucken
eingerolltes seltenes Sp&#228;tsommergrinsen
grenzenlos graubraune Atemnot
wachsh&#228;utiges Kind trotzdem lacht
der Instinkt
f&#228;hrt das rote Auto im Hof
wird die schwarze Katze gestreichelt.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute eher Soll-Bruch-Stellen</p>
<p>alles stinkt zum Blassmond</p>
<p>mundwinkeliges Herunterzucken</p>
<p>eingerolltes seltenes Sp&#228;tsommergrinsen</p>
<p>grenzenlos graubraune Atemnot</p>
<p>wachsh&#228;utiges Kind trotzdem lacht</p>
<p>der Instinkt</p>
<p>f&#228;hrt das rote Auto im Hof</p>
<p>wird die schwarze Katze gestreichelt.</p>
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		<title>Bodyguard</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Mar 2008 22:43:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heike Julia Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[...aber wahr]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Inanspruchnahme eines muskelbepackten bodyguards hat schon im Voraus eine kalte Komik.
Vorher gefriert das Lachen zu dem Eis, das, im Nachhinein zu lauwarmem Wasser geschmolzen, etwas Langweiliges haben wird.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Inanspruchnahme eines muskelbepackten bodyguards hat schon im Voraus eine kalte Komik.</p>
<p>Vorher gefriert das Lachen zu dem Eis, das, im Nachhinein zu lauwarmem Wasser geschmolzen, etwas Langweiliges haben wird.</p>
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		<title>Wohlerzogen</title>
		<link>http://www.liquidpress.de/2008/03/31/wohlerzogen/</link>
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		<pubDate>Mon, 31 Mar 2008 22:06:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heike Julia Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[...aber wahr]]></category>

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		<description><![CDATA[Bald wusste er schon, was sie von ihm wollten, bevor sie es selbst wussten.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Bald wusste er schon, was sie von ihm wollten, bevor sie es selbst wussten.</p>
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