Beitrags-Archiv für die Kategory '...aber wahr'

Nasskaltdunkelschön

Konstantin Klein am Samstag, 3. November 2007, 23:01

Der gelebte Gruselroman, erstaunlicherweise nicht gruselig: ein Spaziergang im Bruchwald irgendwo im Brandenburgischen. Ein Bruchwald – so lehrt uns die aufgestellte Tafel einer naturkundebewussten Behörde – ist vor allem feucht, meist von unten (Grundwassernähe!), heute auch von oben (Regen!), und geht nahezu übergangslos vom aufgeräumten märkischen Kiefernwald in eine unaufgeräumte Sumpflandschaft mit vielen toten und vielen lebenden Bäumen über. Der städtische Besucher wankt konzentriert über modrige Bohlengänge, die die Naturschutzbehörde durch den Bruchwald legt, um nasse Städterfüße zu vermeiden. Währenddessen senkt sich die Dämmerung schon kurz nach Mittag über die Landschaft.

Im vorliegenden Fall zeichnet sich der Bruchwald auch durch die eher zufällige Auszeichnung von Wanderwegen aus, was zu neckischen Tänzen rund um piekendes Reisig und peitschende Zweige führt. Dann die gemurmelte Ahnung “Ich glaube, wir laufen im Kreis”, die zunächst entschieden zurückgewiesen, dann aber von einem vage bekannten Gartenzaun eines Einheimischen bestätigt wird. Und Trampelpfade, die im Nichts enden, vor Wasserlöchern, an Ufern oder einfach sinnlos durch den Wald gezogenen Zäune. Wer, bitte, trampelt solche Pfade, und warum sehen diese Pfade nie so aus, als ob seit Jahrhunderten Trampelnde fluchend zurückgetrampelt sind, weil (s.o.) die Pfade im Nichts enden.

Und der Regen, hach, der Regen! Durch die Mütze, durch das Kopftuch, durch die ehemalige Haarpracht bis auf die Kopfhaut. Und trotzdem will sich irgendwie keine schlechte Laune einstellen.

Die Ausflugsgaststätte mit heißem Kaffee, warmem Apfelstrudel und knisterndem Kaminfeuer wird aber doch immer wieder gerne genommen in solchen Zusammenhängen.

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Zehn kleine…

Konstantin Klein am Freitag, 27. Juli 2007, 0:26

…ups! Es sind ja keine dunkelhäutigen Radfahrer, die nach und nach aus ihren Teams, den (seltsamerweise immer noch stattfindenden) Live-Übertragungen von der Tour de France und wenig später aus den Schlagzeilen und schließlich unserem Gedächtnis verschwinden. Und nur zehn sind es vermutlich auch nicht. Es sind Berufsradfahrer mit starken Schenkeln, mit starkem Glauben an die Pharmazie und ihr Glück, nicht erwischt zu werden, und mit offensichtlich schwachen Hirnen, weil sie an dieses Glück auch noch glauben, wenn links und rechts die Einschläge der Dopingkontrollen immer näher kommen.

H. sagt, ich solle doch mal was über die Tour de France schreiben. Ich frage, warum ich, ausgerechnet ich über Sport schreiben solle. Und H. sagt, mit Sport habe das doch sowieso nichts mehr zu tun. Recht hat sie.

Die Verhaltensweise kennen wir schließlich auch aus anderen Ecken. Parteischatzmeister leugnen unsaubere Parteispenden bis zuletzt, populäre (ost-)deutsche Politiker leugnen bis heute ihre nebenberufliche Tätigkeit für die Staatssicherheit, US-Präsidenten (oder wenigstens einer) leugnen, dass es ohne den Irak-Krieg keine nennenswerte al-Qaeda-Aktivitäten im Irak gegeben hätte. Und der zusehenden Öffentlichkeit ist die Nähe von “leugnen” und “lügen” nur zu klar.

Jetzt also die Radfahrer, früher auch schon mal die Leichtathleten, die Skifahrer, die Schwimmer. Sie alle meinen, man sähe sie nicht, nur weil sie selbst die Augen ganz fest zugekniffen haben. Und sie kommen erstaunlich weit damit – wenn auch in diesem Jahr überraschenderweise nicht mehr auf die Champs Elysees.

Man darf gespannt sein, wie unbekannt der letztendliche Sieger der diesjährigen Tour de France gewesen sein muss, dass ihn niemand der Versorgung mit Dope für würdig erachtet hatte.

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