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	<title>Liquidpress &#187; Welt der Arbeit</title>
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		<title>Der Warnschuss</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jan 2008 15:12:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Konstantin Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Welt der Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Alterslos. Seit 20 Jahren unver&#228;ndert leben. Nun gut, die Augen sind nicht mehr so scharf, die Haare nicht mehr mausbraun, der &#196;quator hat sich verl&#228;ngert, das linke Knie tr&#228;gt Reparaturspuren, und f&#252;nf Stockwerke sind nicht mehr im Laufschritt zu &#252;berwinden. Aber sonst? Noch nicht mal das Gehalt hat sich wesentlich ver&#228;ndert, wenn man es in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alterslos. Seit 20 Jahren unver&#228;ndert leben. Nun gut, die Augen sind nicht mehr so scharf, die Haare nicht mehr mausbraun, der &#196;quator hat sich verl&#228;ngert, das linke Knie tr&#228;gt Reparaturspuren, und f&#252;nf Stockwerke sind nicht mehr im Laufschritt zu &#252;berwinden. Aber sonst? Noch nicht mal das Gehalt hat sich wesentlich ver&#228;ndert, wenn man es in Relation zur Kaufkraft setzt. 2008 = 1988?</p>
<p>Es h&#228;tte gerne die n&#228;chsten 20 Jahre so weitergehen k&#246;nnen. Job bis zum Ruhestand, dann die Fr&#252;chte des Lebens ernten und genie&#223;en. 2028 ist noch fr&#252;h genug, dass der K&#246;rper ernsthaft zu streiken beginnt.</p>
<p>Von wegen. Kontrollverlust, Hilflosigkeit und Schw&#228;che in der Nacht, und mit 49 ist pl&#246;tzlich alles anders. Auf einmal sehen die Jahre zwischen 2008 und 2028 nicht mehr aus wie eine glatte, leicht geneigte Strecke, auf der es immer geradeaus geht. Auf einmal sind die Schlagl&#246;cher zu sehen in der Stra&#223;e des Lebens, die unerwarteten Steigungen &#8211; und auch wenn der Mensch die Stra&#223;enkarte seiner letzten Jahrzehnte noch nicht kennt, kommt ihm doch der Verdacht, dass die Steigungen steiler und h&#228;ufiger sein k&#246;nnten, als noch von diesem Punkt aus sichtbar.</p>
<p>Zeit f&#252;r einen neuen Plan. Und f&#252;r einen Warnschuss ohne Nachwirkungen ist der Mensch dankbar. Sehr dankbar.</p>
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		<title>Philosophie im Souterrain</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jul 2007 23:28:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heike Julia Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Welt der Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Er betrat sein Arbeitszimmer, das man ihm im Keller eines  Seitentrakts der Universit&#228;t zugestanden hatte. Der Weg dorthin f&#252;hrte durch ein sinnloses schmiedeeisernes Tor zur Kellertreppe, das ihn schon immer irritiert hatte. Eine Art Krypta. Unterirdischer Bereich des Wissens. Gelangweilt &#252;berflog er das Manuskript der Vorlesung, die er seit drei Jahren hielt. Drau&#223;en sah [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er betrat sein Arbeitszimmer, das man ihm im Keller eines  Seitentrakts der Universit&#228;t zugestanden hatte. Der Weg dorthin f&#252;hrte durch ein sinnloses schmiedeeisernes Tor zur Kellertreppe, das ihn schon immer irritiert hatte. Eine Art Krypta. Unterirdischer Bereich des Wissens. Gelangweilt &#252;berflog er das Manuskript der Vorlesung, die er seit drei Jahren hielt. Drau&#223;en sah er ein paar m&#252;de wirkende Studenten vorbeigehen. Immerhin hatte man durch eine Abb&#246;schung den Blick in den Innenhof des Geb&#228;udes erm&#246;glicht, als wollte man der philosophischen Fakult&#228;t das endg&#252;ltige Kellerdasein noch ersparen.</p>
<p>Auf dem Weg nach oben begegnete er ein paar Kollegen. Man gr&#252;&#223;t knapp um diese Uhrzeit und gibt sich ernst.  Einige seiner Studenten standen rauchend mit blassen Gesichtern am Fenster vor dem H&#246;rsaal, wie &#252;blich in sehr l&#228;ssiger Pose. Andere sa&#223;en schon, genauso blass. Manche M&#228;dchen waren stark geschminkt und sahen mit gerecktem  Hals provozierend in die Gegend. Andere sahen aus wie &#252;berlastete Buchhalterinnen, hatten ordentliche Ringb&#252;cher dabei, schon aufgeschlagen zum Mitschreiben. Vermutlich hatten sie auch sorgf&#228;ltig verpackte Wurstbrote dabei. Eine allerdings schrieb kein einziges Wort, sondern setzte gelegentlich ihre Kopfh&#246;rer auf und wippte mit ihrer Punkfrisur.</p>
<p>Es war immer schon sinnvoll, die Vorlesung mit witzigen Bemerkungen aufzulockern, aber noch nie hatte er mit Erstsemestern ein so leichtes Spiel gehabt. Sie lachten schon beim ersten harmlosen Sp&#228;&#223;chen, das seinerzeit nur ein genervtes Ausatmen provoziert hatte, &#8220;aha, der Alte will sich beliebt machen.&#8221;  Diese Jungen waren leicht zu k&#246;dern. Sie wollten ihre Sache gut machen und nickten beil&#228;ufig zu allem, was man sagte. Sie konnten einem nichts anhaben, aber man erreichte sie auch nicht.</p>
<p>Sie waren einfach penetrant ahnungslos.</p>
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		<title>Nacht. Schicht.</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jul 2007 20:53:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Konstantin Klein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Welt der Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Gro&#223;e Fenster im postmodernen Industrielook. Regenperlen auf den Scheiben. Dahinter, im Dunkeln, blinkt der Fernsehturm, den niemand in dieser Stadt jemals wirklich &#8220;Telespargel&#8221; genannt hat. Nachtschicht im Tech Support. Die Systeme laufen summend; wenn nicht, summt sofort das Telefon.
Vor vier Jahren leistete K. solche Nachtschichten noch im Journalismus. Wenn das Telefon summte, legte K. quasi [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gro&#223;e Fenster im postmodernen Industrielook. Regenperlen auf den Scheiben. Dahinter, im Dunkeln, blinkt der Fernsehturm, den niemand in dieser Stadt jemals wirklich &#8220;Telespargel&#8221; genannt hat. Nachtschicht im <em>Tech Support</em>. Die Systeme laufen summend; wenn nicht, summt sofort das Telefon.</p>
<p>Vor vier Jahren leistete K. solche Nachtschichten noch im Journalismus. Wenn das Telefon summte, legte K. quasi schon die Krawatte um, um in einer halben oder einer ganzen Stunde vor die Kamera zu treten. Vier Jahre sp&#228;ter arbeiten K.s Kollegen mit den neuen Systemen, die er mitentwickelt hat, haben neue <em>workflows</em> gelernt und (mehr oder weniger) akzeptiert, haben noch die eine oder andere Frage, und manchmal zickt ein System auch noch, benimmt sich unvorhergesehen, kommt vielleicht sogar zum Stillstand. Und dann summt das Telefon.</p>
<p>K. denkt &#252;ber die Jahre nach, die er ganz vorne verbracht hatte, immer am Mikrophon, neben oder sogar vor der Kamera. Jetzt machen andere diese Arbeit, und er l&#228;uft im Hintergrund durchs Halbdunkel eines n&#228;chtlichen <em>newsroom</em>, erkennbar am orangefarbenen T-Shirt, das seine Kollegen und er in diesen kritischen Tagen, an denen alles noch so neu ist, tragen, um sofort erkannt und gefunden zu werden. Journalismus aus der zweiten Reihe. Die im Dunkeln sieht man nicht &#8211; f&#252;r das Funktionieren einer gro&#223;en Redaktion sind sie dennoch unabdingbar.</p>
<p>Sch&#246;n, sich so anders wichtig vorzukommen. Eine gute Nacht. Schicht.</p>
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